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Pileus Offline



Beiträge: 103

31.10.2005 01:19
Herbstglut über dem Nebelmeer antworten
Hallo zusammen,

ich dachte immer, Ende Oktober kann man keinen Urlaub mehr machen. - Nun, das gerade er- und gelebte Wochenende hat mich eines Besseren belehrt.

Wir starteten am Freitagmorgen bei dichtem, feucht-kühlem Nebelgrau in meine alte Heimat: die Pfalz!

Wenig später versanken wir förmlich in dem hinreißenden Farbenteppich, den die strahlende Oktobersonne in die Rebenwelt der südlichen Weinstraße zauberte:

"Herbstgold"

Lichtpalast im Weinberg


Glühendes Rebenlaub

Wir waren so fasziniert von den intensiven Farben und der ungebrochenen Kraft der Herbstsonne, dass wir bis zum Sonnenuntergang durch die Weinberge bei Edenkoben streiften ...

Am nächsten Vormittag gings dann den Hardtrand hinauf. Bei dickem, feucht-kaltem Nebelgesupp beschlossen wir mit der Sesselbahn so schnell wie möglich der Sonne entgegen zu fahren und wie erwartet: Auf 400 Meter lichteten sich die feucht-kühlen Schleier ...


... auf 450 Meter stießen wir schließlich durch den weiß aufleuchtenden Wolkensaum in die klare, blaue, lichtdurchflutete Welt des Pfälzer Berglands empor.

Der Rundblick, der sich uns wenig später von der Burgruine "Rietburg" aus bot war einfach nur überwältigend:

Das folgende Bild-Panorama reicht vom Hardtabbruch im Norden über die Weiten der Rheinebene im Osten südwärts, wo schließlich abermals der Hardtabbruch den Blick in die Weite begrenzt:

Einige Hundert Meter unter dem träge sich kräuselnden Wattegebäusch liegt meine Heimatstadt, Neustadt an der Weinstraße gebettet. Nur gedämpft dringen die Lebensgeräusche der verkehrsreichen Kleinstadt durch die Nebeldecke herauf.

Der Blick schweift langsam weiter nach Osten über die Rheinebene hinweg. - Hier verbergen sich die Großstädte Ludwigshafen und Mannheim unter dem Nebelmeer ...

... und dahinter, gut 50 Kilometer entfernt die Stadt Heidelberg, direkt unter dem dünnen Strich des Horizonts zwischen Himmel und Wolkenmeer ...

Am südöstlichen Horizont tauchen sodann als feine, dunkelblaue Linie die Höhenzüge des Schwarzwalds auf ...

... und schließlich trifft unser Blick im Süden wieder auf die "Küstenlinie" der Hardt, die sich von hier aus weiter südsüdwestwärts in Richtung Frankreich erstreckt, um jenseits der Bergketten im Vordergrund nahtlos in die nördlichen Vogesen überzugehen, - die Zeit scheint in diesen Momenten der stillen Versunkenheit ins Übergangsreich zwischen Himmel und Erde geradezu still zu stehn' ...

Irgendwann läutet eine Turmuhr im Tal den Mittag ein, ein Falke steigt aus dem weiß-grauen Wolkenmeer auf und entschwebt kurz darauf majestätisch über die Bergkuppe südlich von uns - und immer noch wogt das Nebelmeer in sanfter Dünung gegen die Hänge der Berge, wie Meereswellen an einen Märchentraumstrand. Ich kann mich von dieser ergreifenden Schönheit einfach nicht lösen und so genießen wir die wärmenden Sonnenstrahlen bei gut 20 Grad auf der Sonnenterasse der Burgruine schließlich im T-Shirt bei Käsespätzle zu goldgelbem "Federweißem" ... ;-)

Irgendwann am frühen Nachmittag wandeln sich die bisher sanften Kuppen des wabernden Nebelmeers ganz allmählich, bekommen nach und nach mehr Kontrast. - Licht und Schatten tanzen nun miteinander unter der Sonne und formen schließlich, ganz plötzlich, einen flockigen Wolkenteppich, durch den die ersten, bunten Dächer und Weinberge aus der Ebene zu uns heraufschimmern: Im Tal lösen sich in diesen Minuten Nebel und Hochnebel auf:

Wenig später schwimmen nur noch ein paar weißliche Wolkentupferchen auf dem diesigen Schimmer der Talinversion ...

... und nach weiteren 5 Minuten hat die Sonne auch diese restlos verzehrt und was bleibt ist der seidige Glanz des herbstlichen Dunstkissens über den bunt-leuchtenden Mustern der Weinberge, in die sich wie Nester die heimatlichen Weindörfer schmiegen ...

Erst jetzt, nach fast 3 Stunden stillen, begeisterten Betrachtens, Teilhabens und bewundernden Staunens vermögen wir uns zu lösen und - da der Lift nunmehr im Minutentakt Schub um Schub an Spaziergängern in unser Bergidyll heraufschaufelt, beschließen wir, noch ein Weilchen waldeinwärts zu wandern.

Doch das so mitreißende Erleben tiefklaren Himmels und strahlenden Sonnenscheins über dem so unwirklich leuchtenden Wolkenmeer, der laue Luftzug dazu und schließlich der atemberaubende Wandel vom geschlossenen Watteteppich hin zu einem ganz "normalen", sonnigen Herbsttag mit Talsicht, hat uns so tief beeindruckt, dass wir auch am nächsten Tag, dem gestrigen Sonntag nochmal zurückkehrten über die nächtens neu gebildeten Wolken, - zurück in die zeitlose Welt der Magie der Natur und so dürfte es kaum verwundern, dass ich nun, am Ende dieses dritten Sonnentages - mitten im Herbst - nur um Haaresbreite an einem ausgewachsenen Sonnenbrand vorbei geschrabbt bin ... ;-)

Die Eindrücke dieser herrlichen Herbsttage werden mich jedenfalls noch ein ganzes Weilchen begleiten und es mir leichter machen, die ungeliebte, lichtarme Novemberzeit bis zu den ersten, nennenswerten Schneefällen ohne Depris zu überstehn.

Mal sehn, ob ich mir morgen nochmal die Zeit stehlen kann, ein Zeitraffer-Video der Dünung des Wolkenmeers zusammen zu stellen ...

Jedenfalls fühl' ich mich nach diesen 3 Tagen grad ebenso erholt, wie nach einer Woche Toscana!

Grüße Jürgen

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