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 Astroforum
Sommerkind Offline




Beiträge: 51

20.05.2006 15:20
«Bis man weiss, was da draussen los ist» antworten

Forscher aus Bern und Genf haben ein Planetensystem entdeckt, das
unserem ähnlich ist wie kein zweites. Deshalb die Frage an den
Astronomen Willy Benz: Wie lange sind wir noch allein im Universum?

«KLEINER BUND»: Ist unser Planet –
die Erde – einzigartig?

WILLY BENZ: Bis heute hat man keine andere
Erde entdeckt, was aber noch lange
nicht heisst, dass es keine andere gibt. Das
Problem ist, dass unsere Instrumente
noch zu wenig leistungsfähig sind, um so
kleine Planeten wie die Erde irgendwo im
Universum aufzuspüren.

Also ist es nur eine Frage der Zeit,
bis die Astronomen einen erdähnlichen
Planeten entdecken werden?

Absolut. Und es ist eine Frage der Finanzen,
die man zur Verfügung stellt, um
die nötigen Technologien zu entwickeln.

Was bräuchten Sie, um eine zweite Erde
zu finden?

Planeten reflektieren nur das Licht des
Sterns, um den sie sich drehen. Und weil
ein erdähnlicher Planet relativ klein ist,
wirkt er im Vergleich zu seinem Stern wie
ein Glühwürmchen neben einem Scheinwerfer.
Man müsste also das grelle Licht
des Sterns mit optischen Mitteln abdecken,
um den Planeten überhaupt sehen
zu können. Technologisch ist das eine
grosse Herausforderung, die man heute
noch nicht im Griff hat. Bis es so weit ist,
kann man Exoplaneten – also Planeten
ausserhalb unseres Sonnensystems – nur
indirekt nachweisen: durch das Registrieren
geringster Bewegungen des
Sterns, die der kreisende Planet mit Hilfe
seiner Schwerkraft auslöst. Bei kleinen
Planeten sind diese Effekte verschwindend
klein.

Kürzlich haben Sie und Ihre Mitarbeiter
zusammen mit den Genfer Astronomen
Michel Mayor und Christophe Lovis ein
System entdeckt, dessen drei Planeten
aus Wasser und Stein bestehen, nicht nur
aus Gas wie die meisten bekannten
Exoplaneten.Wie ähnlich ist
dieser «Dreizack Neptuns» unserem
eigenen Sonnensystem?

Unter allen bislang entdeckten Planetensystemen
ist es dasjenige, das unserem
eigenen Sonnensystem am nächsten
kommt. Und doch ist es noch weit davon
entfernt: Wir haben ein Pferd gesehen,
hatten aber einen Hund erwartet, weil wir
bis jetzt nur Elefanten wahrgenommen
hatten.

Worin bestehen denn die Ähnlichkeiten?

Die neu entdeckten Planeten sind zehn
bis achtzehn Mal so schwer wie Erde; sie
liegen also in der Grössenordnung Neptuns,
was für Exoplaneten klein ist. Ausserdem
befindet sich der äusserste der
drei Planeten in einer «bewohnbaren»
Zone, wo die Temperaturen und die Strahlung
so sind, dass Leben zumindest theoretisch
vorstellbar wäre. Wirklich existieren
kann Leben dort deshalb nicht, weil
der herrschende Druck zu gewaltig ist.
Trotzdem ist dieses Planetensystem in der
Summe seiner Eigenschaften einzigartig.

Was müsste erfüllt sein, damit Leben
auf einem Exoplaneten möglich wäre?

Es braucht vor allem eine Umgebung,
wo Wasser in flüssiger Form vorkommt.
Dazu muss der Planet einen gewissen Abstand
zu seinem Stern haben, und er muss
gross genug sein, um eine Atmosphäre
aufbauen zu können – sonst würde das
Wasser entweichen; ausserdem wäre die
Strahlung aus dem Weltall zu hoch. Die
Temperaturen müssten zwischen null
und hundert Grad liegen. Das setzt allerdings
voraus, dass das Leben anderswo
nach den gleichen Prinzipien funktioniert
wie auf der Erde. Mit ein bisschen Phantasie
wie in Science-Fiction-Filmen könnte
man sich aber auch vorstellen, dass es völlig
andere Lebensformen gibt – zum Beispiel
solche, die auf Silizium basieren statt
auf organischen Verbindungen.

Wie könnte das Leben auf anderen
Planeten ganz konkret aussehen?

Diese Frage kann ich schlicht nicht beantworten.
Fest steht, dass es nicht irgendwelche
Geschöpfe wären, die uns zuwinken
würden. Die Exoplaneten sind
Lichtjahre von uns entfernt, darum können
wir nicht einfach hingehen und nachschauen,
was los ist. Vielmehr müssten
wir das Licht, das wir von diesen Planeten
zu empfangen hoffen, auf Zeichen des Lebens
untersuchen: auf Spektral- oder Absorptionslinien
von Gasen wie Sauerstoff,
die es nur in grossen Mengen gibt, wenn
Leben vorhanden ist.

Was denken Sie persönlich: Gibt es
irgendwo in den Weiten des Alls
ein zweites Mal Leben?

Ich bin überzeugt davon, nur schon aus
statistischen Gründen. Wenn man sich
vor Augen hält, wie viele Milliarden Sterne
es in unserer Galaxie gibt und wie viele
Millionen Galaxien existieren, wäre es
überraschend, wenn das Leben nur einmal
entstanden wäre. Carl Sagan, der
Papst der Exobiologie, sagte einmal: «Welche
Verschwendung von Raum, wenn wir
allein im Universum wären!» Aber eben, so
lange man nichts gefunden hat, bleibt alles
reine Spekulation.

1995 haben Michel Mayor und
sein damaliger Doktorand Didier Queloz
den ersten Exoplaneten entdeckt,
heute sind rund 180 bekannt.
Wohin führt diese Entdeckungsreise?

In zwei Richtungen: Man wird eine immer
grössere Vielfalt von Exoplaneten
entdecken, bis man weiss, was da draussen
im Universum los ist. Und man wird
immer kleinere Exoplaneten finden, bis
zum Ziel – einem erdähnlichen Planeten.

Manche Astronomen behaupten,
das 21. Jahrhundert werde im Zeichen
der Planetologie stehen.

Das will ich doch hoffen! Ernsthaft:
Die Frage nach dem Leben ausserhalb
der Erde ist jahrhundertealt. Sie ist philosophisch,
religiös und wissenschaftlich
wichtig. Es ist ein wunderbares Thema,
in dem sich viele Menschen wieder finden.

Kopernikus hat im Mittelalter festgestellt,
dass die Erde sich um die Sonne dreht
und nicht umgekehrt.Nun ist nicht
einmal mehr unser Sonnensystem
etwas Besonderes. Stehen wir vor einer
erneuten kopernikanischen Wende?

So weit würde ich nicht gehen. Solange
wir bestimmte Planetensysteme im Universum
aus technischen Gründen nicht
entdecken können, sind wir auch nicht in
der Lage zu sagen, ob unser Sonnensystem
speziell ist oder eben doch nicht.
Theoretisch könnte die grosse Mehrheit
aller Sterne erdähnliche Planeten haben.
Für mich wäre es eher erschreckend,
wenn sich dereinst herausstellen sollte,
dass unser Sonnensystem tatsächlich einmalig
ist.

Willy Benz ist Professor
am Physikalischen
Institut der
Universität Bern.
Der Astrophysiker
hat sich einen
Namen gemacht als
Planetenforscher
und wurde mehrfach
ausgezeichnet.

Der Bund, Interview: Patrick Imhasly [20.05.06]
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3 Wochen Winter sind genug
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