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Dieses Thema hat 3 Antworten
und wurde 580 mal aufgerufen
 Gott-und-die-Welt
Sommerkind Offline




Beiträge: 51

22.04.2006 01:01
Ungesundes Beten antworten

Wissen Herzpatienten, dass Mitmenschen für sie beten, stellen sich bei ihnen vermehrt Komplikationen ein. Zu diesem überraschendem Befund kommt eine in der jüngsten Ausgabe des «American Heart Journal» veröffentlichte Untersuchung. Die US-Forscher liessen drei christliche Gruppen für die Genesung eines Teils von insgesamt 1800 Herzpatienten beten, und zwar vom Abend vor der Operation über einen Zeitraum von zwei Wochen.

Die Patienten wurden in drei Gruppen eingeteilt. 600 Patienten wussten, dass für sie gebetet wurde. Die übrigen 1200 Patienten waren nicht informiert, wobei für die Hälfte von ihnen ebenfalls Fürbitten gehalten wurden. Diese baten um eine erfolgreiche Operation mit einer schnellen Genesung und ohne Komplikationen für die Patienten, von denen lediglich der Vorname und die Initiale des Nachnamens genannt wurden.
Zumindest innerhalb des Untersuchungszeitraums von 30 Tagen förderten die Gebete die komplikationsfreie Genesung nicht. In der Gruppe, die von den Gebeten wusste, kam es bei 59 Prozent zu Komplikationen, in den beiden anderen Gruppen zusammen dagegen nur bei 52 Prozent.
Gerade dieses Phänomen, dass das Wissen um die Gebete sogar vermehrt zu Problemen führte, überraschte die Forscher. Vielleicht seien die Patienten besorgt darüber gewesen, dass ausgerechnet sie für Gebete ausgewählt wurden, mutmasst ein beteiligter Kardiologe, nach dem Motto: Ich bin so krank, dass sie schon eine Gebetsgruppe rufen müssen.
Kritiker werfen der Studie wissenschaftliche Mängel vor, andere Experten hingegen sprechen von der bislang besten Studie zur Erforschung des medizinischen Nutzens von Gebeten. (ap)

Der Bund [21.04.06]

Ein weiterer Grund, der hier (bewusst?) nicht in Betracht gezogen wurde, könnte der sein, dass ein Mensch der Fürbitte empfängt, sehr oft unter Druck steht. Wenn er nicht geheilt wird, kann es von den Mitchristen als Zeichen für ungenügenden Glauben des Patienten gedeutet werden.

Gruss
Fabienne
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3 Wochen Winter sind genug
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Rainer Offline



Beiträge: 48

22.04.2006 02:49
#2 RE: Ungesundes Beten antworten

"Ein weiterer Grund, der hier (bewusst?) nicht in Betracht gezogen wurde, könnte der sein, dass ein Mensch der Fürbitte empfängt, sehr oft unter Druck steht. Wenn er nicht geheilt wird, kann es von den Mitchristen als Zeichen für ungenügenden Glauben des Patienten gedeutet werden."

Hm. So schreibt man wohl nur, wenn eigene leidvolle Erinnerung die Schreibhand führt....

Gruß

Rainer


Quin Offline



Beiträge: 9

22.04.2006 22:27
#3 RE: Ungesundes Beten antworten

Mrs. Terrain: "My complication had a complication, but Dr Chapman says I'll soon be up and bouncing about like a young gazelle."
(Terry Gilliam, Brazil)

Moin,

ich habe mir vorsichtshalber, und weil man nie weiss, wozu es eines Tages gut sein kann, das entsprechende Papier aus dem Netz geladen und kurz überflogen. Offenbar kann man den Herren Forschern weder vorwerfen, nicht akkurat gearbeitet zu haben, noch, die wesentlichen Voraussetzungen für eine statistische Analyse ausser acht gelassen zu haben. Ob die Studie notwendig war, muss uns nicht interessieren, weil wir ja unseren Spass hatten. Hier die Quelle, für alle denen das Thema am Herzen liegt:

http://www.templeton.org/pdf/STEP_paper.pdf

Wie es aussieht haben die Jungs und Mädels vom Forscherteam den armen Patienten der Gruppe 3 mit ihrem "Wir werden für Sie beten!" (der verdutzte Patient zog diese Botschaft aus einem verschlossenen Umschlag) einen gehörigen Schrecken eingejagd. Anscheinend nutzten die Patienten den Auslegungsspielraum dieser zwischen Drohung und Trost angesiedelten Ankündigung teilweise zur Ausbildung einer zusätzlichen Angst, die sich wiederum in einigen Fällen zur waschechten Komplikation auswuchs. Von einer Wiederholung des Experimentes kann vor diesem Hintergrund - jedenfalls aus medizinischer Sicht - nur abgeraten werden. Höchstens darf darüber nachgedacht werden, ob zukünftig in bestimmten Fällen die alternative Ankündigung "Wir werden nicht für Sie beten!", die vom Patienten möglicherweise im Sinne einer Auskunft über die Abwesenheit einer Notwendigkeit missverstanden wurde, als Therapiemethode zum Einsatz kommen könnte.

Erstaunlich ist im übrigen, dass selbst für die anderen beiden Gruppen (1 & 2) die Komplikationsrate mit etwa 50% siginifikant über der zu erwartenden Rate von etwa 40% lag. Die Autoren verschweigen das nicht, legen den Umstand aber nicht zu ihren Ungunsten aus, sondern verweisen auf die erhöhte Aufmerksamkeit des Krankenhauspersonals in diesem Fall. Wenn die Schwestern und Brüder im Hospital auch nicht wussten, welcher Testgruppe ihr Patient angehörte, so waren sie aber doch darüber informiert, dass keine Komplikation unter den Operationstisch fallen sollte. Wir lernen, dass zur Senkung der Komplikationsrate bei Herzoperationen in Krankenhäusern nicht auf Mystik und Gottvertrauen zurückgegriffen werden muss, wenn nur garantiert werden kann, dass an den Patienten keine Studien durchgeführt werden.

Alles Gute,
Quin


chaotse Offline



Beiträge: 6

05.12.2006 08:56
#4 RE: Ungesundes Beten antworten


Quin,

dein Beitrag zum Thema verdient ein Doppelkinn. [:-))]

Gruss nach geo weit und psycho nah,
chaotse

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